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Funktion
Wenn ein Kind älter wird, dann ändert sich seine Körpergröße - mal mehr,
mal weniger. Mein ältester Sohn zum Beispiel war 54cm lang als er geboren
wurde, nach einem Jahr war er bereits 76cm groß, mit 16 Jahren hatte er eine
Körperlänge von 176cm, und heute (mit mehr als 20 Jahren) ist er 183cm groß
und wächst gar nicht mehr.
Zu jedem Lebensalter gehört genau eine bestimmte Körperlänge. In mathematischer Sprache heißt dies: Die Körperlänge lässt sich darstellen als Funktion vom Lebensalter. Die umgekehrte Aussage ("Zu jeder Körperlänge gehört genau ein bestimmtes Lebensalter") ist falsch! Zum Körperlängenwert 183cm lassen sich beliebig viele Lebensalterwerte finden (18, 18½, 19, ... und unendlich viele Zwischenwerte); zum Körperlängenwert 20cm gehört gar kein Lebensalterwert.
Der Umfang eines Kreises (U) lässt sich darstellen als Funktion vom Radius r. Kurz geschrieben lautet diese Aussage so: U = f(r) Das Verhältnis des Kreisumfangs zum Kreisradius ist konstant. Das bedeutet: Wenn der Radius eines Kreises doppelt so groß ist wie der Radius eines anderen Kreises, dann ist der Umfang des ersten Kreises genau doppelt so groß wie der Umfang des kleineren Kreises. Allgemeiner: Wird der Radius eines Kreises ver-n-facht, dann wird der Umfang dieses Kreises auch n-mal so groß. Man sagt in diesem Fall: Der Kreisumfang U ist proportional zum Kreisradius r. U = 2·π·r Die Kreiszahl π ist ungefähr gleich 3,14. Das heißt, der Umfang eines Kreises ist stets ungefähr 6,3mal so groß wie sein Radius.
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Leonhard Euler (1707 - 1783) verstand in seinem 1748 erschienenen Werk "INTRODUCTIO IN ANALTSIN INFINITORUM" unter einer Funktion einer veränderlichen Größe einen analytischen Ausdruck, der irgendwie aus der veränderlichen Göße und aus Zahlen oder konstanten Größen zusammengesetzt ist. Wenn man dieses in die heutige mathematische Sprache übersetzt, denkt man am ehesten an Funktionsterme wie 3·x2, 5·x−7 oder etwa an ρ·V als Ausdruck für die Masse eines Körpers, der multiplikativ zusammengesetzt ist aus der konstanten Dichte ρ und dem Körpervolumen V als veränderlicher Größe. Eine ganz ähnliche Definition hatte bereits 30 Jahre zuvor Johann Bernoulli (1667 - 1748) gegeben.
Johann Peter Gustav Lejeune Dirichlet (1805 - 1859) gab die Vorstellung von zwei unbedingt gesetzmäßig miteinander verknüpften Größen y und x ganz auf und sprach von einer Funktion bereits dann, wenn zu jedem Wert einer veränderlichen Größe x innerhalb eines bestimmten Intervalls genau ein endlicher Wert von y gehört. Bei dieser Auffassung spielt es grundsätzlich keine Rolle, auf welche Art y und x miteinander verknüpft sind. Damit man von einer Funktion y von x sprechen kann, ist es allein entscheidend, dass die Werte von y den Werten von x jeweils eindeutig zugeordnet sind. Die Idee zu dieser radikalen Änderung des Funktionsbegriffs stammt von Jean Baptiste Joseph Fourier (1768 - 1830) und hatte wesentlich damit zu tun, dass es zum Beispiel in der Physik reale Abhängigkeiten gibt, die sich nicht mit Hilfe eines Funktionsterms beschreiben lassen (es gibt sogar Funktionen mit realem Bezug, die man überhaupt nicht explizit mit Hilfe von Termen darstellen kann).
An der Dirichlet'schen Auffassung des Funktionsbegriffs hat sich von der Idee her nichts geändert, allerdings ist der Begriff der Funktion heute derselben Forderung unterworfen, wie sie für alle grundlegenden Begriffe der Mathematik gilt: diese sind unter Benutzung mengentheoretischer Begriffe zu definieren. Für die Funktion geht das auf Grundlage der Arbeiten von Felix Hausdorff (1868 - 1942) etwa so:
Seien X und Y irgendwelche Mengen und
R ⊂ X x Y = { (x;y): x ∈ X und y ∈ Y }
eine Relation zwischen X und Y mit den folgenden Eigenschaften:
(1) Zu jedem x ∈ X gibt es ein y
∈ Y, so dass (x;y) ∈ R gilt (Linksvollständigkeit
von R).
(2) Aus x = x* folgt y = y* für alle (x;y), (x*,y*)
∈ R (Rechtseindeutigkeit von R).
Dann nennt man das Tripel f = (X, Y, R) eine Abbildung von X nach Y und schreibt dafür
f: X → Y
X heißt Definitionsmenge von f, Y
Zielmenge von f.
Das für jedes x
∈ X eindeutig bestimmte y
∈ Y wird mit f(x) bezeichnet.
Diese eindeutige Zuordnung wird durch die Zuordnungsvorschrift
x ↦ f(x)
beschrieben. (Gesprochen wird dies: "x wird abgebildet auf f(x).")
f(x) heißt Bild von x.
Imf = {
f(x): x
∈ X } heißt Bildmenge (oder
Bildbereich) von f.
Statt Imf ist auch die Schreibweise
f(X) üblich.
Wenn jedes f(x) ∈ Imf genau ein Urbild x ∈ X hat, dann heißt die Abbildung f injektiv (oder linkseindeutig). Das bedeutet: Eine Abbildung f: X → Y ist genau dann injektiv, wenn für x1, x2 ∈ X gilt: x1 ǂ x2 ⇒ f(x1) ǂ f(x2).
Eine Abbildung f mit Imf = Y heißt
surjektiv (oder rechtsvollständig oder rechtstotal).
Man spricht dann von einer Funktion f von X auf Y.
Ist eine Abbildung injektiv und surjektiv, so nennt man diese bijektiv.
Ist nun der Wertebereich einer Abbildung f eine Teilmenge der Menge der reellen Zahlen ℝ oder der komplexen Zahlen ℂ, so wird diese Abbildung Funktion genannt.
Die Bildmenge Imf einer Funktion f: X
→
Y mit Y ⊂ ℝ wird
üblicherweise Wertebereich genannt; manchmal wird allerdings
auch die Zielmenge Y so bezeichnet.
f(x) mit x
∈ X heißt Funktionswert von f an
der Stelle x. ("f(x)" wird gesprochen: "f von x".)

Beispiel 1:
Die schwarzen Punkte im nebenstehenden Diagramm veranschaulichen
einige Elemente der Produktmenge ℕxℕ.
Die roten Punkte gehören zur Relation R = {(x;y): y = x + 1}
⊂ ℕxℕ.
Diese Relation induziert eine Abbildung f:
ℕ → ℕ
mit der Zuordnungsvorschrift
x ↦ x + 1.
Diese Abbildung ist injektiv, denn zu jedem Bild f(x) gehört genau
ein Urbild x.
Diese Abbildung ist nicht surjektiv, denn 0 ∈ ℕ
besitzt kein Urbild.
Beispiel 2:
Die trigonometrische Funktion sin ist eine Funktion von
ℝ
nach ℝ.
Wenn man die Zielmenge ℝ dieser Funktion
einschränkt auf das abgeschlossene Intervall [−1; 1], das aus allen Zahlen
zwischen −1 und 1 besteht (einschließlich −1 und 1 selbst), dann erhält man
eine rechtsvollständige Funktion von
ℝ auf [−1; 1]. Wenn man darüberhinaus
auch noch den Definitionsbereich einschränkt auf [−0,5π;0,5π], dann bekommt
man sogar eine bijektive und damit umkehrbare Funktion.

Beispiel 3:
Die Wahrscheinlichkeitsfunktion
P ist eine reellwertige Funktion von
℘(S) nach [0; 1], wobei S die Ergebnismenge
eines Zufallsexperiments darstellt. Abkürzend geschrieben:
P: ℘(S)
→ [0; 1].
Beispiel 4:
Die konstante
Funktion fc: ℝ → {c}
mit c ∈ ℝ
ist eine sehr langweilige Funktion. Sie ordnet jeder reellen
Zahl x ∈ ℝ
den Wert c zu. Mit anderen Worten: fc(x) = c
für alle
x ∈ ℝ.
Die Funktion fc: ℝ → {c}
ist surjektiv, aber natürlich nicht injektiv.
Beispiel 5:
Die babylonische Keilschrifttafel Plimpton 322
(irgendwann zwischen 1900 bis 1600 v.Chr. in Mesopotamien angefertigt, 1920
von George Arthur Plimpton (1855 - 1936) gefunden, vom Mathematikhistoriker
Otto Neugebauer (1899 - 1990) und dem Archäologen Abraham Sachs 1945
dechiffriert und heute in der Universität von Columbia aufbewahrt) gilt als
die älteste erhaltene Wertetabelle
überhaupt.
![]() |
|
Plimpton 322, unter Benutzung eines Fotos von Kathy Choi |
Aufgrund der Arbeiten von Neugebauer und Sachs wissen wir, dass auf dieser Tontafel Sexagesimalzahlen unter Verwendung von Keilzeichen dargestellt sind. Diese Darstellung beruht auf folgender bijektiver Zuordnung:

Die zwölfte Zeile der Plimptontabelle zum Beispiel sieht im Wesentlichen so aus:
![]()
Diesen Keilzeichenketten können Zahlenkombinationen zugeordnet werden:
| 29 21 54 2 15 | 27 59 | 48 49 |
Interpretiert man nun diese Zahlenkombinationen sexagesimal und schreibt
c = 48·601 + 49 = 2929
a = 27·601 + 59 = 1679
1 + 29/60 + 21/602 + 54/603 + 0/604 + 2/605 +
15/606 ≈
1,489417,
dann findet man überraschende Zusammenhänge: 2929 und 1679 bilden zusammen mit 2400 ein pythagoräisches Zahlentripel, und es gilt sec2(a) = c2/24002 = 8579041/2819041 ≈ 1,489417.

Für die anderen Zeilen der Keilschrifttafel lassen sich analoge Aussagen aufstellen (allerdings nur dann, wenn man zuvor fünf anscheinend fehlerhafte Einträge auf der Tafel korrigiert hat). Mit anderen Worten: Die erste Spalte der Plimptontafel beinhaltet ausgewählte Funktionswerte der Funktion sec2; hier aufgefasst als zweistellige Funktion von a und c, wobei c die Hypotenuse eines rechtwinkligen Dreiecks darstellt und a die Gegenkathete des Winkels a bedeutet.
(a, c) ↦ sec2(a, c)
sec heißt Sekansfunktion und es gilt sec(a)
= 1/cos(a)
und somit sec2(a, c) =
c2/(c2 − a2).
Mit b2 = c2 − a2 ergibt
sich sec2(a, c) = 1 + a2/b2.
Dass die Werte für a und c auf der Keilschrifttafel rechts und die aus diesen Werten berechneten sec2(a, c)-Werten links stehen, ist verständlich, wenn man weiß, dass die Babylonier von rechts nach links geschrieben haben.
Interessant ist es zu untersuchen, ob die sec2-Werte auf der Keilschrifttafel irgendwelche besonderen Eigenschaften haben oder ob es sich um zufällig ausgewählte Werte handelt. Besser gefragt: Haben die Urbilder (a, c) der auf der Keilschrifttafel tabellierten sec2-Werte etwas Besonderes an sich?
Jedes dieser Urbilder (a, c) definiert ein pythagoräisches Zahlentripel (a, b, c), das heißt: a, b und c sind natürliche und von 0 verschiedene Zahlen und es gilt c2 = a2 + b2.
Seien a, b, c ∈
ℕ*
mit c2 = a2 + b2.
Dann heißt (a, b, c) genau dann primitives pythagoräisches
Zahlentripel, wenn a, b und c keine gemeinsamen Teiler besitzen, das
heißt, wenn a, b und c teilerfremd sind.
Zum Beispiel ist (3, 4, 5) ein primitives pythagoräisches Zahlentripel.
(16, 30, 34) ist ein pythagoräisches Zahlentripel, welches nicht primitiv
ist.
Für jedes primitive pythagoräische Zahlentripel (a, b, c) mit a < b gibt es zwei eindeutig bestimmte Zahlen p und q, so dass Folgendes gilt:
a = p2 − q2
b = 2·p·q
c = p2 + q2
p und q sind teilerfremde Zahlen.
Genau eine dieser Zahlen p und q ist gerade, die jeweils
andere ist ungerade.
Beweis:
(I) Zunächst ist klar, dass bei p, q ∈
ℕ*
mit p > q, aber ansonsten beliebig gewählten natürlichen
Zahlen die durch die oben stehenden Gleichungen definierten Zahlen a, b,
c
immer ein pythagoräisches Zahlentripel bilden, denn es gilt:
(p2 − q2)2 + (2pq)2 = p4
− 2p2q2 + q4 + 4p2q2
= p4 + 2p2q2 + q4 = (p2
+ q2)2.
(II) Sei nun (a, b, c) mit a < b < c ein primitives pythagoräisches Zahlentripel. Dann sind insbesondere a und b teilerfremde Zahlen. Das bedeutet: a und b sind nicht beide zugleich gerade.
(III) Angenommen, beide Zahlen a und b sind ungerade.
Dann gibt es natürliche Zahlen n und m mit
a = 2n + 1 und b = 2m + 1. Wegen c2 = a2 + b2
folgt, dass
c2 = (2n + 1)2 + (2m + 1)2 = 4(n2
+ m2 + n + m) + 2.
Mit anderen Worten: Teilt man c2 durch 4, dann bleibt der
Rest 2 übrig.
4 ist demzufolge kein Teiler von c2, also muss c
ungerade sein, denn das Quadrat einer geraden Zahl ist immer durch 4
teilbar. Wenn aber c ungerade ist, dann existiert eine natürliche Zahl r
mit c = 2r + 1 und es folgt
c2 = (2r + 1)2 = 4(r2 + r) + 1.
Mit anderen Worten: Teilt man c2 durch 4, dann bleibt der
Rest 1 übrig. Widerspruch!
Alles in allem haben wir bis jetzt Folgendes gezeigt: Wenn (a, b, c) ein primitives pythagoräisches Zahlentripel ist, dann muss eine der Zahlen a und b gerade, die andere ungerade sein. Da a, b und c nach Voraussetzung teilerfremd sind, muss c ungerade sein.
(IV) Wegen a < b folgt: b2 = c2
− a2 = (c + a)·(c − a) = 4·((c + a)/2)·((c − a)/2).
Setzt man u = (c + a)/2 und v = (c − a)/2, dann gilt b2 =
4·u·v.
Man sieht spätestens jetzt, dass a die ungerade Zahl und b die
gerade Zahl sein muss.
(c + a) und (c − a) sind also gerade, folglich sind u und v natürliche
Zahlen.
Wegen b2 = 4·u·v und der Tatsache, dass b eine natürliche
Zahl ist, müssen u und v Quadratzahlen sein.
Es gibt also natürliche Zahlen p und q mit u = p·p und v = q·q, wobei p
> q wegen u > v.
Hieraus folgt b = 2pq.
Weiterhin hat man 2p2 = c + a und 2q2
= c − a.
Die Addition dieser beiden Gleichungen liefert (●) c = p2 + q2.
Die Subtraktion beider Gleichungen ergibt (●●) a = p2 − q2.
(V) Sowohl a als auch c sind ungerade.
Dies ist nach diesen Formeln
nur dann möglich, wenn genau eine der Zahlen p und q gerade und die
andere ungerade ist.
(VI) Angenommen, p und q hätten einen
gemeinsamen Teiler t, dann könnte man schreiben:
p = nt und q = mt mit irgendwelchen natürlichen Zahlen n und m.
Einsetzen in (●) und in (●●) ergibt
c = (nt)2 + (mt)2 = t2(n2 +
m2) und a = (nt)2 − (mt)2 =
t2(n2 − m2)
a und c sind aber nach Voraussetzung teilerfremd. Widerspruch!
Es liegt nahe, jetzt die folgende Relation Rpq als Teilmenge von ℕ*xℕ* zu definieren: (p, q) soll genau dann ein Element von Rpq sein, wenn p ungerade und q gerade oder wenn umgekehrt p gerade und q ungerade und wenn in jedem dieser Fälle p größer als q ist und wenn p und q teilerfremd sind.
Beispielsweise ist (2, 1) ∈ Rpq
und das zugehörige primitive pythagoräische Zahlentripel ist (3, 4, 5).
(7, 4) ∈ Rpq und das zugehörige
primitive pythagoräische Zahlentripel ist (33, 56, 65).
(4, 7) ∉ Rpq.
Definiert man die Abbildung ppz: Rpq → ℕ*x ℕ*x ℕ* durch
ppz((p, q)) = (p2 − q2, 2·p·q, p2 + q2) für alle (p, q) ∈ Rpq,
dann ist ppz(Rpq) gleich der Menge aller primitiven pythagoräischen Zahlentripel.
Der Algorithmus zur Erzeugung von Elementen der Menge ppz(Rpq) ist nicht schwierig:
|
Setze p := 1; |
Im Zusammenhang mit der Plimptontabelle sind nun folgende Definitionen sinnvoll.
Eine natürliche und von 0 verschiedene Zahl heißt genau dann regulär zur Basis b, wenn jeder Primfaktor dieser Zahl gleich einem der Primteiler der zugehörigen Basiszahl b ist.
Rpqb =def {(p, q) ∈ Rpq: p und q sind regulär zur Basis b}
Die Elemente von Rpqb sollen b-regulär heißen.
1, 2, 3, 4, 5, 6, 8, 9, 10, 12, ... sind reguläre Sexagesimalzahlen, denn
2, 3 und 5 sind die Primteiler von 60.
(320, 27) zum Beispiel ist ein 60-reguläres Tupel, denn 320 ist größer als
27, 320 und 27 sind teilerfremd, 320 ist gerade und 27 ist ungerade, und die
Primfaktorzerlegungen beider Zahlen lauten 320 = 26·5 bzw. 27 = 33,
also gibt es außer den Primteilern von 60 keine anderen Primfaktoren. Kurz
geschrieben: (320, 27) ∈ Rpq60.
Ein von einem 60-regulären Tupel (p, q) erzeugter sec2(a, c)-Wert hat immer eine endliche Sexagesimalbruchentwicklung.
Beweis:
Sei (p, q) ∈ Rpq60.
Dann ist sowohl p als auch q entweder gleich 1 oder gleich einer Zahl,
die durch 2 oder durch 3 oder durch 5 teilbar ist.
Wegen sec(a)
= c/b = (p2
+ q2)/2pq = 1/2·(p/q + q/p) folgt hieraus die Behauptung.
Das folgende, mit JavaScript realisierte Programm berechnet für jedes (p, q) ∈ Rpq60 mit p ≤ pmax die Werte für a, b, c, sec2(a, c) und den zugehörigen Winkel a. Hierbei werden alle Werte in dezimaler Schreibweise und gerundet angegeben. Diejenigen Zeilen, zu denen Winkel gehören, die größer als 31,5° und kleiner als 45° sind, werden mit einem Sternchen gekennzeichnet. Genau diese Sternchen-Zeilen entsprechen den Zeilen der Plimptontabelle! Dies stimmt nicht ganz, denn erstens hat der Schreiber der Plimptontafel manche der Sternchen-Zeilen entweder nicht gekannt, vergessen oder nicht berücksichtigt und zweitens entspricht die fünfzehnte (und gleichzeitig letzte) Zeile der Plimptontabelle nicht den oben diskutierten Kriterien der Sternchen-Zeilen, weil das dort dargestellte pythagoräische Zahlentripel nicht primitiv ist.
Maximal kann man hier für pmax den Wert 200 eintragen (anschließend auf "Berechnen" klicken):
|
a |
c2/b2 | a | b | c | p | q |
In der folgenden Tabelle sind alle Sternchen-Zeilen mit p
≤ 500 zusammengestellt und nach c2/b2
in absteigender Reihenfolge sortiert. Diejenigen Tabellenzeilen, die die ersten
vierzehn Zeilen der Plimptontafel beschreiben, sind entsprechend duchnummeriert
und farbig gekennzeichnet.
a |
c2/b2 | a | b | c | p | q | |
| 44.8 | 1.9834 | 119 | 120 | 169 | 12 | 5 | 1 |
| 44.3 | 1.9492 | 3367 | 3456 | 4825 | 64 | 27 | 2 |
| 43.8 | 1.9188 | 4601 | 4800 | 6649 | 75 | 32 | 3 |
| 43.3 | 1.8862 | 12709 | 13500 | 18541 | 125 | 54 | 4 |
| 43.1 | 1.8742 | 67319 | 72000 | 98569 | 288 | 125 | * |
| 42.1 | 1.8150 | 65 | 72 | 97 | 9 | 4 | 5 |
| 41.5 | 1.7852 | 319 | 360 | 481 | 20 | 9 | 6 |
| 40.3 | 1.7200 | 2291 | 2700 | 3541 | 54 | 25 | 7 |
| 39.8 | 1.6927 | 799 | 960 | 1249 | 32 | 15 | 8 |
| 39.3 | 1.6686 | 14129 | 17280 | 22321 | 135 | 64 | * |
| 38.7 | 1.6427 | 481 | 600 | 769 | 25 | 12 | 9 |
| 38.2 | 1.6175 | 190951 | 243000 | 309049 | 500 | 243 | * |
| 37.9 | 1.6082 | 49911 | 64000 | 81161 | 256 | 125 | * |
| 37.4 | 1.5861 | 4961 | 6480 | 8161 | 81 | 40 | 10 |
| 36.9 | 1.5625 | 3 | 4 | 5 | 2 | 1 | 11 |
| 36.3 | 1.5395 | 19039 | 25920 | 32161 | 160 | 81 | * |
| 35.8 | 1.5192 | 11529 | 16000 | 19721 | 125 | 64 | * |
| 35.0 | 1.4894 | 1679 | 2400 | 2929 | 48 | 25 | 12 |
| 34.4 | 1.4704 | 42665 | 62208 | 75433 | 243 | 128 | * |
| 34.4 | 1.4685 | 47311 | 69120 | 83761 | 256 | 135 | * |
| 33.9 | 1.4500 | 161 | 240 | 289 | 15 | 8 | 13 |
| 33.3 | 1.4302 | 1771 | 2700 | 3229 | 50 | 27 | 14 |
Neugebauer hat entdeckt, dass bei der originalen Plimptontafel die c-Spalte mit dem Zeichen für "diagonal" und die a-Spalte mit dem Zeichen für "breit" überschrieben ist. Dieses Faktum könnte nach der Analyse der Plimptontabelle zur Vermutung führen, dass den babylonischen Mathematikern der sogenannte "Satz des Pythagoras" bekannt war und dass sie diesen für die Beschreibung von Winkeln benutzt haben. Hierbei muss ihnen die Primfaktorzerlegung von Zahlen vertraut gewesen sein.
Auf jeden Fall haben sie offensichtlich in tabellarischer Form die funktionale Abhängigkeit zwischen Zahlen darzustellen und für welchen Zweck auch immer anzuwenden gewusst. Die Struktur der Plimptontabelle kann unter Beachtung der oben stehenden Definitionen und unabhängig vom verwendeten Stellenwertsystem zusammenfassend als Verkettung so beschrieben werden:
(p, q)
↦ ppz((p, q))
↦ (a, c)
↦ sec2(a, c)
↦
a
für alle (p, q) ∈ Rpq60.
Beispiel 6:
Die Funktion f: [−4; 5] → ℝ3
mit f(t) = [3·t2; 10·t; 4·t] ordnet jeder reellen Zahl t
zwischen −4 und 5 den Punkt Pt(3t2|10t|4t) zu und
beschreibt damit eine räumliche Kurve. Nimmt man diese Kurve als
Mittellinie eines Schlauches mit kreisrundem Querschnitt (Radius = 15), dann
sieht dieser Schlauch wie folgt aus:

Diese Grafik wurde mit dem Programm Maple erstellt (→ Einführung in Maple, Übung Flächen im Raum).
Beispiel 7:
Das nachfolgende Schaubild ist eine Darstellung der Relation
R = {(x;y): x3 − y3 = x − y; x ∈ [-2;2]; y ∈ [-2;2]}
([-2;2], [-2;2], R) ist keine Funktion, denn es ist nicht jedem x ∈ [-2;2] ein und nur ein y-Wert zugeordnet.
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