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Vektor
Interessiert man sich für den Aggregatzustand von Wasser, so ist die Temperatur des Wassers entscheidend. Bei normalem Druck schmilzt Wasser bei 0 Grad Celsius; bei 100 Grad Celsius siedet es. Wenn ein Monitor mit einer Leistung von 130 Watt durchschnittlich jeden Tag 3 Stunden lang eingeschaltet ist, dann "verbraucht" allein dieses Gerät pro Jahr die elektrische Energie von etwa 142 Kilowattstunden. Diese Energie kostet Geld, und zwar etwa 17 Euro, wenn man einen Preis von 12 Cent pro Kilowattstunde zugrunde legt. Alle diese Größen (Masse, Temperatur, Leistung, Energie, Geld, Zeit und etliche andere) haben eine gemeinsame Eigenschaft: Wenn man eine solche Größe misst, dann wird das Messergebnis immer durch eine Zahl ausgedrückt (natürlich in Verbindung mit der Einheit, in der die betreffende Größe gemessen wird). Diese Größen heißen skalare Größen. Wird mit einer solchen skalaren Größe der Zustand irgendeines Körpers beschrieben, dann ändert sich der Wert dieser Größe nicht, wenn man den Körper dreht. Es gibt Größen, bei denen es im Allgemeinen nicht ausreichend ist, als
Messergebnis nur eine Zahl anzugeben. Ist man zum Beispiel mit dem Auto
unterwegs, dann ist es im Hinblick auf das Fahrziel nicht nur wichtig zu
wissen, wie schnell, sondern auch in welche Richtung man
fährt.
Gerichtete Größen stellt man am besten mit Hilfe von Pfeilen dar. Die Pfeillänge gibt - in einem bestimmten, frei gewählten Maßstab - den Betrag der jeweiligen Größe an.
Der hier beschriebene Sachverhalt, der durch Experimente bestätigt werden kann, wird durch die folgende Konstruktion veranschaulicht. Dargestellt ist der geworfene Körper samt Geschwindigkeitspfeilen zu vier verschiedenen Zeitpunkten. Zur Zeit t = 0 gilt v = v0. Befindet sich der Körper zur Zeit t = 0, also beim Abwurf, im Ursprung eines Koordinatensystems mit waagerechter x-Achse und vertikaler y-Achse, dann hat man die Position des Körpers zur Zeit t mit x = v0·t·cos(α) und y = v0·t·sin(α) − k·t2. k ist eine Konstante und v0 ist der Betrag der Geschwindigkeit v0.
Diese Konstruktion steht hier als GEONExT-Applet in einem Extra-Fenster zur Verfügung. Die Lage der rot markierten Punkte kann dort verändert werden. Die Benutzung von Pfeilen ist nicht nur bei der Analyse zusammengesetzter Bewegungen von Körpern hilfreich, sondern in der gesamten Physik grundlegend wichtig. Unter der Voraussetzung, dass wir in einem dreidimensionalen euklidischen Raum arbeiten, der aus Punkten besteht, die wir in jedem Fall paarweise miteinander durch eine (jeweils eindeutig bestimmte) Strecke verbinden sowie deren Abstände wir mit den Längen dieser Strecken messen können und der die Eigenschaft hat, dass zwei zueinander parallele Geraden stets den gleichen Abstand behalten, egal wie weit wir entlang dieser Geraden laufen mögen, kann man folgende Definitionen formulieren:
Sei mit MPf die Menge aller Pfeile bezeichnet und seien p, q ∈ MPf, dann hat man mit p ~ q ⇔def p und q sind richtungs- und längengleich eine Äquivalenzrelation auf MPf definiert. Die Pfeilklassen sind die Äquivalenzklassen bezüglich "~".
Wird eine Pfeilklasse a durch den Pfeil repräsentiert,
der den Anfangspunkt P und den Zielpunkt A hat, so soll
dieser Sachverhalt kurz wie folgt ausgedrückt werden: a
= >PA>. Seien a und b zwei Pfeilklassen. Dann wird die Summe von a und b wie folgt erklärt:
Für a = >PA> und b = >AB> gilt also a + b = >PA> + >AB> = >PB>. Sei x repräsentiert durch einen Pfeil >PX> mit dem Anfangspunkt P und dem Zielpunkt X. Dann heißt die durch >XP> repräsentierte Pfeilklasse die Gegenpfeilklasse von x. Diese soll mit x* bezeichnet werden. Mit zwei beliebigen Punkten P und A und a = >PA> folgt a + a* = >PP>, mit anderen Worten: |a + a*| = 0. Diejenige Pfeilklasse, die den Betrag 0 besitzt, heißt Nullpfeilklasse und wird mit o bezeichnet. Für jede Pfeilklasse a gilt somit a + a* = o. Ferner gilt a + o = a für alle a. Sei nun a irgendeine Pfeilklasse und r eine beliebige positive reelle Zahl. Dann soll ra diejenige Pfeilklasse sein, die durch einen Pfeil repräsentiert wird, der r-mal so lang ist wie ein Repräsentant von a und in die gleiche Richtung zeigt. ra kann interpretiert werden als Produkt der Zahl r und der Pfeilklasse a. Diese so genannte skalare Multiplikation (oder S-Multiplikation) einer Pfeilklasse a mit einer Zahl r funktioniert mit folgenden Definitionen sogar für alle reellen Zahlen: ra =def
ra Verabredet man die folgende abkürzende Schreibweise a − b =def a + (-1)b dann gilt für alle Pfeilklassen a und b: a − b
= a + (-1)b = a + 1b*
= a + b*
Seien a und b irgendwelche
Pfeilklassen
und s und t beliebige reelle Zahlen. Für alle Pfeilklassen a, b und c gelten bezüglich der Addition das Kommutativgesetz a + b = b + a, das Assoziativgesetz a + (b + c) = (a + b) + c sowie die folgenden Gesetze: s(ta) = (s·t)a mit beliebigen reellen Zahlen s und t. Beweis: Die Idee zum Beweis der Assoziativität ist ganz ähnlich:
Alle bisherigen Überlegungen und Definitionen waren völlig unabhängig davon, ob unsere Pfeilklassen in einer (nicht gekrümmten) Ebene repräsentiert werden oder in einem (nicht gekrümmten) Raum. Dies ist auch beim Beweis des Assoziativgesetzes so; aber es ist vielleicht anschaulicher, sich unter der hier abgebildeten Figur ein Parallelepiped vorzustellen, also eine räumliche Figur mit acht Eckpunkten und zwölf Kanten, von denen jeweils vier gleich lang und zueinander parallel sind. Das gemischt-assoziative Gesetz s(ta) = (s·t)a und das erste Distributivgesetz (s + t)a = sa + ta folgen im Wesentlichen aufgrund der Rechenregeln in ℝ. Das zweite Distributivgesetz folgt aus dem ersten Strahlensatz. Der erste Strahlensatz besagt, dass für zwei Strahlen, die den gleichen Anfangspunkt haben und von zwei Parallelen geschnitten werden, das Verhältnis der Abschnitte auf dem einen Strahl gleich dem entsprechenden Verhältnis der Abschnitte auf dem anderen Strahl ist.
Die Menge aller Pfeilklassen
im so genannten Anschauungsraum soll mit
ℙ bezeichnet werden. (i)+ a + (b +
c) = (a + b) + c
für alle a, b,
c ∈ ℙ. Die Menge aller Pfeilklassen ist bezüglich der in ℙ definierten Addition "+" aufgrund der Eigenschaften (i)+, (ii)+ und (iii)+ eine Gruppe. Wegen der Gültigkeit des Kommutativgesetzes (Regel (iv)+) ist ℙ sogar eine Abel'sche Gruppe. Das zu jedem a ∈ ℙ existierende a* mit a* + a = o ist eindeutig bestimmt und heißt das "zu a inverse Element". Das Inverse zu a wird üblicherweise mit (−a) bezeichnet. Im Hinblick auf die Addition gelten in der Menge
ℙ dieselben Rechengesetze wie in
ℤ,
ℚ
oder
ℝ. Das
bedeutet insbesondere, dass alle weiteren Gesetze, die die
Addition betreffen und im Bereich der Zahlen bereits bewiesen worden sind,
automatisch auch in
ℙ Gültigkeit haben. Umgekehrt gilt natürlich das
Gleiche.
In einem beliebigen Dreieck ABC schneiden sich die drei Seitenhalbierenden in einem Punkt (S), die drei Höhen schneiden sich ebenfalls in einem Punkt (H), das Gleiche gilt für die Mittelsenkrechten mit dem Schnittpunkt U und die Winkelhalbierenden mit dem Schnittpunkt I. Die Punkte U, S und H liegen immer auf einer Geraden, der so genannten Eulergerade (-> Beweis).
Diese Konstruktion steht hier als GEONExT-Applet in einem Extra-Fenster zur Verfügung. Die Lage der rot markierten Eckpunkte des Dreiecks kann dort verändert werden. Alle oben genannten Aussagen (und viele andere) lassen sich elementargeometrisch oder aber mit Hilfe von Pfeilklassen beweisen. Als Beispiel soll der folgende Satz dienen: Die drei Seitenhalbierenden eines Dreiecks schneiden sich in einem
Punkt S. Beweis:
Da b und
c nicht kollinear sind (anschaulich gesprochen: b,
c und
c* haben unterschiedliche Richtungen), gilt
−m − ½n + 1 = 0 und ½m + n − 1 = 0. Dieses Resultat ist unabhängig davon, welche zwei Seitenhalbierenden von den drei vorhandenen für die Rechnung ausgewählt werden. Hieraus folgt die Behauptung. Die strukturellen Eigenschaften der Menge aller Pfeilklassen im Anschauungsraum sind charakteristisch für eine ganze Klasse von Mengen, die die gleichen Eigenschaften besitzen. Dies gibt Anlaß zur Verallgemeinerung der oben vorgestellten Dinge. Sei (K,+,·) ein Körper mit 0 als Nullelement und 1 als
Einselement, das heißt: Sei ferner (V,+) eine
Abel'sche Gruppe und "·": KxV
→
V eine Abbildung mit folgenden Eigenschaften: Dann heißt (V,K,·) ein K-Vektorraum, die Elemente von V heißen Vektoren, die Elemente von K nennt man Skalare. Die Bezeichnungen "Vektor" und "Skalar" stammen vom irischen Mathematiker Sir William Rowan Hamilton (1805 - 1865). Alle axiomatisch festgelegten Eigenschaften eines K-Vektorraumes im Einzelnen: (K) K ist eine nicht
leere Menge. (i)+ r + (s + t) = (r + s) + t für
alle r, s, t ∈ K. (i)* r·(s·t) = (r·s)·t für alle r,
s, t ∈ K. (D) r·(s + t) = (r·s) + (r·t) für alle r, s, t
∈ K. (V) V ist eine nicht leere Menge. (I) a +
(b + c) = (a +
b) + c für alle a, b, c
∈
V. (A) Jedem (r, a)
∈
KxV ist in eindeutiger Weise ein r·a zugeordnet. Bemerkenswert ist das Axiom (U) (unitäres Gesetz). Im Hinblick auf die Menge aller Pfeilklassen zum Beispiel mag dieses Gesetz selbstverständlich erscheinen. Tatsächlich folgt aber die Aussage von (U) nicht aus den anderen Axiomen und muss deshalb als gültig vorausgesetzt werden. Das Nullelement 0 ∈ K, das Einselement 1 ∈ K sowie das Nullelement o ∈ V sind eindeutig bestimmt. Es folgen vier Beispiele von K-Vektorräumen.
ℝ1 =def
ℝ ist ein ℝ-Vektorraum mit folgenden Definitionen:
(x1, ..., xn) + (y1, ..., yn)
=def (x1+y1, ..., xn+yn) für alle (x1, ..., xn), (y1, ..., yn) ∈ ℝn und alle t ∈ ℝ.
(f + g)(x)
=def f(x) + g(x) für alle
x ∈ ℝ Die Funktion o, definiert durch o(x) = 0 für alle x ∈ ℝ ist das Nullelement von ℱ.
Die folgenden zwei Aussagen gelten für alle K-Vektorräume V: Beweis:
(i) (ii) Besonders praktisch ist es, mit denjenigen Pfeilen zu arbeiten, die den
Ursprung eines 3-dimensionalen kartesischen Koordinatensystems als Anfangspunkt haben. Diese
Pfeile werden Ortsvektoren genannt. Diejenigen Ortsvektoren, die in die Richtung der Koordinatenachsen zeigen und die Länge 1 haben, sollen Basisvektoren heißen und mit e1, e2 und e3 bezeichnet werden. Dann gilt p = p1·e1 + p2·e2 + p3·e3. p1, p2 und p3 sind die Koordinaten
des Punktes P, bzw. die Komponenten des Ortsvektors p.
p1 = q1 und p2 = q2 und p3 = q3. Den Betrag eines Ortsvektors erhält man durch zweimalige Anwendung des "Satzes des Pythagoras":
Diese Konstruktion steht hier als GEONExT-Applet in einem Extra-Fenster zur Verfügung. Die Lage der rot markierten Punkte kann dort verändert werden. Außerdem kann die Richtung der "x1-Achse" variiert werden. Ein räumliches Koordinatensystem hat üblicherweise die Eigenschaft, rechtshändig zu sein, das heißt: die Richtungen der "positiven" Achsen werden festgelegt durch Daumen (x1), Zeigefinger (x2) und Mittelfinger (x3) der rechten Hand. Man nennt dies ein Rechtssystem. Durch die Einführung von Koordinaten gelingt es, geometrische Objekte analytisch zu beschreiben. Dies führt dazu, dass geometrische Probleme auch auf rechnerische Art lösbar werden (analytische Geometrie). Grundlegend in der analytischen Geometrie sind insbesondere folgende Zuordnungen:
t, r und s sind hierbei reelle Parameter; p nennt man sowohl bei Geraden als auch bei Ebenen Stützvektor. Die von o verschiedenen Spannvektoren u und v einer Ebene E müssen immer linear unabhängig sein, das heißt, es gibt keine reelle Zahl k mit u = k·v. Der in der Parametergleichung x = p + t·u verwendete Vektor u, der von o verschieden sein muss, heißt Richtungsvektor. Addition und S-Multiplikation funktionieren - wie oben bereits definiert - komponentenweise:
Die Aufgaben "Schneiden sich zwei gegebene Geraden, und wenn ja, in welchem
Punkt?" oder "Schneiden sich zwei gegebene Ebenen, und wenn ja, wie lautet
die Gleichung der Schnittgeraden?" oder "In welchem Punkt durchstößt eine
gegebene Gerade eine bestimmte Ebene?" und so weiter, führen im Wesentlichen
zur Aufstellung eines linearen Gleichungssystems und dessen Lösung.
In welchem Punkt D durchstößt diese Gerade die x1-x2-Koordinatenebene? Diese Aufgabe wird gelöst mit Hilfe des Gleichungssystems
Es folgt tD = −6 und damit x1 = −15 und x2 = 11. Die Definition des Skalarprodukts liefert eine Möglichkeit, zwei Vektoren miteinander zu multiplizieren. Das Ergebnis des Skalarprodukts zweier Vektoren ist kein Vektor, sondern eine Zahl: Gegeben seien zwei von o verschiedene, aber ansonsten beliebige Vektoren a, b
∈
ℙ, die den Winkel α
einschließen.
Für 0° ≤ α < 90°
und 270° < α ≤ 360°
ist a•b positiv; a•b = 0, wenn α = 90° oder α = 270°. Hiermit lässt sich der geometrische Sachverhalt, dass zwei geometrische Objekte senkrecht zueinander stehen, auch analytisch ausdrücken: a ⊥ b ⇔ a•b = 0 mit a, b ǂ o Außerdem folgt direkt aus der Definition des Skalarprodukts a•a = |a|2 für alle a ∈ ℙ, kurz geschrieben: a2 = a2 für alle a ∈ ℙ. Physikalisch ist das Skalarprodukt überall dort bedeutsam, wo es um die Berechnung von Energiemengen geht und hierbei gerichtete Größen eine Rolle spielen. Zwei Beispiele: Für die Verschiebung eines Körpers um einen gewissen Streckenabschnitt Δs durch eine konstante Kraft F muss insgesamt die Energie ΔW = F•Δs aufgebracht werden. Ändert irgendein sich mit der Geschwindigkeit v gleichförmig bewegtes System seinen Impuls um ΔP, dann nimmt es hierbei den Energiebetrag ΔW = v•ΔP auf.
Elementargeometrisch folgen für alle
a, b, c ∈
ℙ und alle t ∈
ℝ die folgenden Rechenregeln: Diese Regeln folgen mit den in ℝ gültigen Rechenregeln auch aus der Aussage des folgenden Satzes: Sind a und b durch ihre Koordinaten a1, a2 und a3 bzw. b1, b2 und b3 in einem 3-dimensionalen kartesischen Koordinatensystem gegeben, dann gilt a • b = a1·b1 + a2·b2 + a3·b3 Beweis: Im Fall α > 90° erhält man dasselbe Resultat. Kosinussatz: In jedem Dreieck ABC gilt
(x − p)•n = 0
n heißt Normalenvektor der Ebene E. (x − p)•n0 = 0 heißt Hesse'sche Normalenform.
Wendet man den eben
bewiesenen Satz auf eine Normalengleichung von E an, so ergibt sich n1·x1 + n2·x2 + n3·x3 = d mit d = p1n1 + p2n2 + p3n3. Umgekehrt gilt: Die Koordinatengleichung a·x1 + b·x2 + c·x3 = d mit a, b, c, d ∈ ℝ beschreibt immer eine Ebene und der Vektor mit den Koordinaten a, b und c ist ein Normalenvektor der Ebene. Beweis: Zum Vektor n und zur Zahl d gibt es immer
irgendeinen Vektor p mit n•p =
d. Ist (x − p)•n0 = 0 die zu einer Ebene E gehörende Hesse'sche Normalenform und R(r1|r2|r3) irgendein Punkt, dann gilt für die Länge des Lotes von R auf E d = |(r − p)•n0|. d heißt Abstand des Punktes R von der Ebene E. Beweis: Dann gilt >PR>•n0
= |PR|·1·cos(α) = d sowie Mit r − p = >PR> folgt die Behauptung. Der Begriff des Skalarprodukts lässt sich verallgemeinern. Sei (K,+,·) irgendein Körper und "*": K → K
eine bijektive Abbildung mit (i) f(v
+ v', w) = f(v,
w) + f(v', w)
f(v, w) =def (v1·w1* + ... + vn·wn*) eine Semibilinearform. Hierbei ist v = (v1, v2, ... vn) ∈ ℂn und w = (w1, w2, ... wn) ∈ ℂn.
<x, y> =def (x1·y1 + ... + xn·yn) ist eine Bilinearform. Hierbei ist x = (x1, x2, ... xn) ∈ ℝn und y = (y1, y2, ... yn) ∈ ℝn. Eine Semibilinearform f: V2 → K heißt genau dann eine symmetrische Form, wenn f(v, w) = f(w, v) für alle v, w ∈ V. Eine Semibilinearform f: V2 → K heißt genau dann eine Hermite'sche Form, wenn f(v, w) = (f(w, v))* für alle v, w ∈ V. Ist V ein K-Vektorraum und f: V2 → K eine symmetrische oder eine Hermite'sche Form, dann heißt (V,f) ein metrischer Vektorraum. Ist K = ℝ oder K = ℂ, dann heißt eine symmetrische oder eine Hermite'sche Form f genau dann positiv definit, wenn f(x, x) > 0
für alle x ∈ V
mit x ǂ o Sei V ein ℝ-Vektorraum und "<,>": V2 → ℝ eine symmetrische und positiv definite Bilinearform, dann heißt diese Bilinearform Skalarprodukt von V. Ein ℝ-Vektorraum mit einem Skalarprodukt heißt euklidischer Vektorraum. Mit Hilfe des Skalarproduktes ist es möglich, Längen zu messen. Hierzu wird der Betrag eines Vektors x als Element eines euklidischen Vektorraums wie folgt definiert:
In einem euklidischen Vektorraum (V,<,>) gilt die Cauchy-Schwarz'sche Ungleichung |<x, y>| ≤ |x|·|y| für alle x, y ∈ V. Beweis: Fall 2: Entweder x = o oder y = o. Fall 3: x
ǂ o und y
ǂ o. Dann gilt für alle t
∈ ℝ: Aus der Cauchy-Schwarz'schen Ungleichung folgt zum Beispiel unmittelbar für alle xi, yi ∈ ℝ und n ∈ ℕ*: (x1·y1 + ... + xn·yn)2 ≤ (x12 + ... + xn2)·(y12 + ... + yn2). In einem euklidischen Vektorraum (V,<,>) gilt die Dreiecksungleichung |x + y| ≤ |x| + |y| für alle x, y ∈ V. Beweis: Sei (V,<,>) ein euklidischer Vektorraum mit o als
Nullelement.
∥t·x∥
= |t|·∥x∥
für alle x ∈ V
und alle t ∈ ℝ eine Norm von V.
hat diese drei Eigenschaften und heißt euklidische Norm von V. Bewegt sich eine elektrische Ladung q mit der Geschwindigkeit v
senkrecht zu einem homogenen Magnetfeld, dann wirkt auf sie die
Lorentzkraft F.
Bewegt sich q schräg zu den B-Feldlinien, dann ist für die Berechnung von F nur diejenige Komponente von v bedeutsam, welche senkrecht zu B steht, das bedeutet: F = |q|·v·B·|sin(α)|, wobei α den Winkel bezeichnet, der von v und B eingeschlossen wird. Kurz geschrieben: F =|q·vxB|. Die hier verwendete Verknüpfung "x" wird wie folgt erklärt: Gegeben seien zwei von o verschiedene, aber ansonsten
beliebige Vektoren a, b
∈
ℙ, die den Winkel α
einschließen.
axb heißt Kreuzprodukt (oder Vektorprodukt) von a und b. Ist a = o oder b = o, dann setzt man axb = o. Nach dieser Definition ist axb ein Normalenvektor der durch a und b festgelegten Ebene und der Betrag von axb entspricht dem Flächeninhalt des von a und b aufgespannten Parallelogramms. So wie Orthogonalität mit Hilfe des Skalarproduktes analytisch beschreibbar ist, läßt sich mit Hilfe des Kreuzproduktes Parallelität analytisch beschreiben, denn es gilt nach Definition wegen (iii) a || b ⇔ axb = o mit a, b ǂ o Ferner gelten für alle
a, b, c ∈
ℙ und alle t ∈
ℝ die folgenden Rechenregeln: Beweis: zu (K2):
a = >PA>,
b = >PB>,
c = >PC>. Also ist (K2) äquivalent mit ax(bE + cE) = axbE + axcE. Wegen a ⊥ bE und a ⊥ cE gilt |axbE| = a·bE und |axcE| = a·cE.
Auch die Diagonalen beider Parallelogramme stehen aufeinander senkrecht.
Hieraus folgt ax(bE + cE) = axbE + axcE und damit (K2). Sind a und b durch ihre Koordinaten a1, a2 und a3 bzw. b1, b2 und b3 in einem 3-dimensionalen kartesischen Koordinatensystem gegeben, dann gilt a x b = (a2b3 − a3b2)·e1 + (a3b1 − a1b3)·e2 + (a1b2 − a2b1)·e3 (Hierbei sind e1, e2, e3 die Basisvektoren des Koordinatensystems.) Beweis:
Es gilt e1xe2 = e3, e2xe3
= e1 und e3xe1
= e2. Dann folgt unter Beachtung des Distributivgesetzes (K2):
Gehört zu jedem Punkt x = (x1,x2,x3) eines
zusammenhängenden und offenen Raumgebietes G Die Temperaturverteilung in der Erdatmosphäre oder die Dichteverteilung in einem Festkörper sind zum Beispiel skalare Felder; Beispiele für Vektorfelder sind E- und B-Felder (elektrische und magnetische Felder), das Gravitationsfeld der Erde oder das Geschwindigkeitsfeld in einer strömenden Flüssigkeit. Ein skalares oder ein vektorielles Feld, das sich mit der Zeit nicht ändert, heißt stationär. Skalare Felder lassen sich mit Hilfe von Niveauflächen veranschaulichen: für alle Punkte einer Niveaufläche hat die Funktion f einen konstanten Wert. Ein Vektorfeld kann man mit Hilfe von Feldlinien darstellen: jeder vektorielle Wert der Funktion v ist an jedem Punkt in G tangential zur jeweiligen Feldlinie orientiert. Hat speziellerweise v überall in G denselben Wert, nennt man das zugehörige Feld homogen. Die Feldlinien sind dann zueinander parallele Geraden. Macht man in einem skalaren Feld von einem Ort x aus einen kleinen Schritt zu irgendeinem dicht benachbarten Ort x+dx mit dx = (dx1,dx2,dx3), so ändert sich der Wert der Funktion f dort um
wobei f hier als stetig differenzierbar vorausgesetzt wurde. Die rechte Seite dieser Gleichung kann man als Skalarprodukt zweier Vektoren auffassen: df = grad f • dx Hierbei wird definiert: Sei G
der Gradient von f. grad f ist ein wohldefinierter Vektor, denn unabhängig vom verwendeten Koordinatensystem ergibt sich durch die Formel df = grad f • dx immer dasselbe Resultat für df. Beweis:
folgt dann
Kurz geschrieben: df/dx = grad f • edx.
Das Skalar df/dx ist die Änderung von f
pro Längeneinheit in einer durch edx
beliebig vorgegebenen Richtung, und zwar unabhängig von der
Wahl des Koordinatensystems hingeschrieben. Bewegt man sich ein wenig entlang einer Niveaufläche, dann ist dx tangential zu dieser Fläche orientiert und es gilt df = 0. Also steht der Gradient von f senkrecht zur Niveaufläche und weist damit stets in die Richtung des größten Anstiegs von f. Der Betrag von grad f ist gerade diese Änderung von f pro Längeneinheit. Für grad f gibt es eine abkürzende Schreibweise: grad f = ∇f Der hier verwendete Nabla-Operator
ist ein symbolischer oder formaler Vektor, genauer gesagt: ein vektorieller Differentialoperator mit Invariantencharakter. Man kann (und muss) nachrechnen, dass sich die Komponenten von ∇ bei zulässigen Transformationen des verwendeten kartesischen Koordinatensystems sich genauso verhalten wie die Koordinaten x1, x2 und x3. ∇f ist so etwas wie die
multiplikative Verknüpfung von ∇
mit der skalaren Größe f. Sei G Es gilt demnach
und
Hierbei sind e1, e2, e3 die Basisvektoren des verwendeten kartesischen Koordinatensystems. |
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